Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,
Während die Kämpfe in der Ukraine einem neuen und möglicherweise entscheidenden Höhepunkt und einer gefährlichen Eskalationsschwelle zustreben, beginnt in Österreich nach der EU-Wahl der Wahlkampf für die Nationalratswahl im Herbst Fahrt aufzunehmen. Der aktuellen Ausgabe des Offiziers können Sie zu Ihrer Orientierung die Positionen der im Nationalrat vertretenen Parteien zu ausgewählten Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik entnehmen. Man darf nach der Wahl im Zuge der Koalitionsgespräche gespannt sein, wie viele dieser Positionen sich in einem Arbeitsübereinkommen der neuen Bundesregierung wiederfinden werden.
Ein Problem, welches das Bundesheer schon geraume Zeit belastet, hat die neue Bundesregierung in jedem Fall zu lösen, nämlich das gravierende Fehl an Aktiv- und Milizkader, da, wie Der Offizier schon mehrfach berichtet hat, vor allem der ohnehin sehr kleinen Einsatzorganisation von 55.000 Personen tausende Offiziere und Unteroffiziere fehlen. Ein nicht unwesentlicher Grund dafür ist sicher die nicht mehr praktizierte Einberufung von Offizieren und Unteroffizieren zu verpflichtenden Truppenübungen. Dieses Problem wurde bislang von allen Ressortverantwortlichen eher heruntergespielt, da es nicht mit einer Weisung leicht zu lösen ist. Das Zauberwort heißt „Attraktivitätssteigerung des Berufsbildes Soldatin oder Soldat“. Zur Herstellung einer möglichst hohen Attraktivität ist es erforderlich, dass der Soldatenberuf in der Gesellschaft höchstes Ansehen genießt, eine gute Bezahlung des Soldatenberufes ohne Neid durch andere Berufsgruppen akzeptiert wird und die militärische Landesverteidigung in allen Bevölkerungsschichten ernst genommen wird, was aufgrund der letzten Umfragen nicht mehr der Fall ist. Mit der Wiederbelebung der Umfassenden Landesverteidigung kann dazu aber ein positiver Impuls gesetzt werden, und es sollte wieder an eine vormilitärische Jugenderziehung, abgestimmt auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, gedacht werden.
Einen erholsamen Sommer wünscht
Ihr Chefredakteur
Harald Pöcher