Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,
spannend verliefen die letzten Monate nach der Nationalratswahl. Weniger spannend verliefen offensichtlich die Gespräche zum Kapitel Landesverteidigung, denn dieses Kapitel war es den Medien nicht wert groß darüber zu berichten. Es bleibt daher zu befürchten, dass alles so bleibt wie bisher, denn keine der Parteien, welche in der nächsten Regierung vertreten ist, denkt an die Wiedereinführung der verpflichtenden Truppenübungen. Sollte diese Regierung die nächsten fünf Jahre durchdienen und die Ableistung von Truppenübungen erfolgt weiterhin nur auf freiwilliger Basis, dann ist die Miliz weitere fünf Jahre dem Siechtum ausgeliefert. Da man, aus welchen Gründen auch immer, die ursächlichen Aufgaben im Zusammenhang mit der vollen Einsatzbereitschaft der Miliz nicht erledigen möchte, wendet man sich lieber dem Weltraum zu. Wie dem Regierungsprogramm zu entnehmen ist, wird ein Weltraumlagebild als Teil des Strategischen Kompasses hergestellt. Der Beitrag der Miliz dazu könnte sein, dass ein Milizexperte dieses erstellt.
Spannend, wie immer, verlief auch der XII. Tag der Wehrpflicht am 20. Jänner 2025, der den Zuhörern und Zuschauern mit seinen Referaten viel Wissenswertes aus der Vergangenheit und Gegenwart bis hin in die Zukunft brachte. Besonders eindringlich war der Appell des Vorsitzenden des Militärausschusses der EU, in dem er mehr Verantwortungsübernahme für die Weltpolitik durch die EU einmahnte. Gerade das wird die EU bei den jüngsten Begehrlichkeiten der USA nach Gebietserweiterung brauchen, denn die USA haben sich im Laufe ihrer Geschichte noch immer das geholt, was sie wollten: Ich erinnere hier beispielsweise nur an die gewaltsame Inbesitznahme von Hawaii und gemeinsam mit den Bündnispartnern die totale Niederwerfung von Japan und Deutschland. Damit stiegen die USA zur Supermacht auf und sie sind in diese Position gekommen, um zu bleiben, koste es, was es wolle, etwa durch das bewusste Hochrüsten und dafür die Vernachlässigung sozialer Bedürfnisse für viele US-Bürger und die Zurverfügungstellung günstiger Gesundheitsleistungen für jeden Bürger. Spannend wird es auf jeden Fall, wie es im arktischen Raum im Nordatlantik weitergehen wird, denn in diesem Großraum hat auch Russland vitale Interessen und es kann dabei auf die Unterstützung Chinas und anderer Staaten zählen. In enger Verbindung zu den Vorträgen kann auch das vom Ressort veröffentlichte Risikobild gesehen werde, welches in den Kernbotschaften im vorliegenden Heft nachgelesen werden kann.
Zeitgleich mit der neuen innenpolitischen Ära und den neuen weltpolitischen Herausforderungen beende ich meine Tätigkeit als Chefredakteur, nicht weil es mich nicht mehr interessiert, auf der Basis „Gotteslohn“ pünktlich für die Herausgabe des „Offiziers“ zu sorgen, sondern es sind rein private Gründe, denn ich werde bis zu meinem Lebensende viel Zeit auf Reisen sein, insbesondere im Land der „aufgehenden Sonne“.
Ihr Chefredakteur
Harald Pöcher